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Einen Eindruck, was es mit dem Frieden, mit der Stille, auf sich
haben könnte, bekam ich dann bei meinem ersten Besuch im Ramana
Ashram in Tiruvannamalei/Indien im Herbst 2001.
Bei meinem zweiten Besuch im Ramana Ashram ein Jahr später
geschah dann so etwas wie ein Durchbruch. Zum ersten Mal in meinem
Leben spürte ich die Liebe zu einem spirituellen Meister in
mir und das Bedürfnis, mich ganz zu öffnen und hinzugeben.
Im Ashram drückte sich dies für mich in der ehrerbietenden
Geste des sich mit ausgestreckten Armen auf den Boden Legens aus.
In meinem europäischen und christianisierten Verstand passte
dieses Gefühl am besten zu den Worten: "Herr, Dein Wille
geschehe". Aber auch: "Du kannst mich haben, Ramana. Ich
kapituliere".
Bei den täglichen Meditationen in den "Ramana-Höhlen"
des Arunachalas und im Ashram stellte sich dazu dann eine Art Ganzkörperempfindung
ein, ein Spüren meines ganzen Körpers, das aber nicht
mit den Grenzen meines Körpers aufhörte. Es fühlte
sich fast an wie Fieber oder ein schnelles Vibrieren, welches erst
nur kürzere Zeit, dann aber immer länger blieb und sich
schließlich über den ganzen Tag ausbreitete. Mit der
Zeit, auch später in Deutschland, merkte ich, dass mit dieser
Vibration eine erstaunliche Ruhe einherging und keine Gedanken zu
vernehmen waren. Immer wenn ich dieser Vibration "lauschte",
war auch die Stille da. So ist es auch jetzt, wenn ich dies hier
schreibe oder mit jemandem spreche. Auf einmal ist da Ruhe!
In den folgenden Monaten geschah so etwas wie ein
vermehrtes Auftauchen von Dingen, die mich noch nicht in der Stille
sein ließen, und ein immer weiteres Erkennen der Strukturen
meines Verstandes und meiner Gefühle. Bei meinem Streifzug
durch die derzeitige Satsang-Szene und bei einem weiteren Aufenthalt
im Ramana Ashram im Frühjahr 2003 wurde mir unter anderem klar,
dass mein Verstand nur eine Ansammlung von einzelnen identifizierten
Gedanken ist. Wenn ich diese auseinander nehme und separiere, bleibt
nichts übrig von meinem "Verstand". Wo ist dann aber
dieses Ich, wenn der Verstand nicht
mehr da ist? Gleichzeitig sah ich, dass natürlich der Verstand
anderer Personen auch nur aus einzelnen Gedanken besteht und dass,
wenn ich mich gedanklich mit anderen Personen befasse, ich mich
nur mit einem fiktiven Konstrukt beschäftige und nicht mit
etwas Realem. Auf einmal erschien mir jede Art von gedanklicher
Beschäftigung völlig überflüssig und nur als
ein Ausdruck meines Zweifels, als Beweis dafür, dass ich die
Dinge selber im Griff behalten wollte. Also - wozu dieses sinnlose
Achterbahnfahren in den unendlichen Weiten des Verstandes?
Ein letztendliches Erkennen geschah in einem Stille-Retreat
mit Samarpan, in dem mir auf einmal klar wurde, dass es keine "Personen"
gibt. Ich war und bin
die Energie, der Raum, in dem alles passiert. Was ich vorher für
Personen gehalten habe, waren dann nur noch Gedanken- oder Gefühlsmuster,
die wie Blätter auf dem Ganges schwimmen. Ich war und bin der
Ganges, auf dem und in dem alles passiert - formlos und frei - ungeteilt
- nur ein Bewusstsein.
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