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Irgendwann sind die meisten von uns, zumindest die
meisten von denen, die diesen Text lesen, dann auf den "spirituellen
Weg" gekommen, da es so ja nicht weiter gehen konnte. Das "Fatale"
daran ist, dass wir nun mit unserem "objekthaften Training"
an die Spiritualität, an das Transzendente herantreten und
sozusagen gar nicht anders können, als diese wie etwas Äußeres,
wie ein Ding, zu behandeln. Die Folge davon ist, dass wir dann zu
all den vorhandenen Dingen in unserem Verstand noch mehr Dinge,
nun eben "spirituelle Dinge" hinzuaddieren. Das Leben
wird dadurch eigentlich erst einmal komplizierter. Zusätzliche
Strukturen und neue Erklärungsmodelle entstehen. Mit unseren
alten Strukturen erkunden wir nun, meistens über Jahre oder
Jahrzehnte, das Neue, das Spirituelle.
Die Stille, der Frieden, die Liebe und das Sein, welchen
Namen man dafür auch benutzen möchte, gehen genau in die
entgegengesetzte Richtung. Es ist die Leere, das Nichtbenannte,
das Nichtwollen von irgendetwas, das Unbedingte. Es ist das Abziehen
von jeglicher Definition und kein Dazuaddieren. Es ist der Raum,
in dem das Leben passiert. Es ist der Fluss, auf dem die Dinge des
Lebens sich ereignen. Dieser Raum, dieser Fluss ist das, was du
bist, reines Sein, reines Bewusstsein.
Frieden
Frieden ist der Raum, in dem alles
passiert, alle Erfahrungen, Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle.
Dieser Frieden ist unbegrenzt und war schon immer da, auch bevor
dieser Raum der Wahrnehmung hier begonnen hat. Er wird auch da sein,
wenn dieser Raum vergangen sein wird. Dieser Frieden ist das, was
du bist, ist das, was ist. Dieser Frieden
ist die Liebe, zu allem was ist, ist die Liebe.
Solange dieser Frieden noch nicht unsere permanente Wahrnehmung
ist, haben wir jeden Moment die Wahl, uns für diesen Frieden
zu entscheiden oder in dem "Strom der Objekte", bedingt
durch die Konditionierung unserer Wahrnehmung, weiterzuschwimmen.
Diese Wahl für den Frieden in jedem Moment scheint mir die
einzige Wahl zu sein, die wir haben. In der Bedingtheit unserer
Wahrnehmung haben wir jedoch nicht wirklich die Wahl. So spielt
es eigentlich keine Rolle, ob ich Handwerker oder Akademiker bin,
in welcher Stadt ich wohne oder wo ich Urlaub mache. Für das,
was unsere Natur ist,
ist dies nicht ausschlaggebend und für unser Glück ist
es schon gar nicht bestimmend.
Dieser Frieden ist nicht erreichbar, so wie wir meinen, ein äußeres
Objekt oder einen Gefühlszustand erreichen zu können,
dieser Frieden ist da, wenn alles Erreichen wollen von uns abfällt,
wenn wir nirgendwo mehr hin müssen um anzukommen, wenn wir
uns selbst und die Welt vollkommen so annehmen, wie wir sind. Dann
tritt auf einmal dieser Frieden zu Tage und wir stellen fest, dass
dieser Frieden schon immer da war. Er war nur verschüttet von
unserem Wollen, von unserem Unzufriedensein, von unserem Nichtakzeptieren
der Dinge, wie sie sind.
Sein - Zeitlos - Im Moment
- Das Leiden beenden
Sobald wir anfangen, uns auf den
Moment zu konzentrieren und unsere Gedanken und Gefühle zu
beobachten, ist dies der Anfang vom Ende unserer Identifikation
mit den Gedanken, ist dies der Anfang vom Ende unseres Ich.
Wir beobachten, was da in uns vorgeht. Und allein diese Position
des Beobachtens gibt uns einen Freiraum, einen Abstand zu dem, was
in uns geschieht. In diesem Freiraum kann immer noch eine schmerzhafte
Erfahrung stattfinden. Aber wir schauen dieser zu und wissen, dass
wir das nicht sind. Diese Erfahrung ist in uns. Sie ist menschlich
und gehört zu unserem Körper, aber der Teil, der beobachtet,
ist frei und ungebunden und ohne Leiden. Indem wir diesem Teil immer
mehr Aufmerksamkeit geben - was nur im Moment geschehen kann - erweitern
wir sozusagen den leeren Raum, in dem unsere Erfahrung stattfindet.
Die Dinge passieren einfach, aber sie passieren keinem.
Die Erfahrungen, ob freudvoll oder schmerzvoll, passieren, aber
du bist frei davon, du schaust einfach zu. Es gibt Lebensumstände,
aber das Leben, das du bist,
ist davon nicht betroffen.
Sich auf den Moment zu konzentrieren,
heißt also, die Zeit zu beenden, denn der Moment bleibt immer
der Moment. Und mit dem Beenden der Zeit verschwindet auch das Leiden,
verschwindet die Beschäftigung mit den unterschiedlichsten
Inhalten, verschwindet das Richtig- oder Falschmachen-können.
Du bist frei und rückblickend siehst du, dass du das auch schon
immer warst. Das, was du "tust" oder "nicht tust",
hat nichts damit zu tun, was du bist. Es ist davon unabhängig.
Mehr Zeit oder mehr Inhalt zu dem Ich
hinzuzuaddieren, hieße nur, mehr Leiden zu erzeugen, hieße,
dass ich doch alles selber bestimmen will und hieße, dass
ich mit den Objekten meiner Wahl beschäftigt bleibe. Denn wozu
sollte ich sie wählen, wenn ich mich dann nicht darum kümmern
oder sie nicht für wichtig halten würde?
Der Moment hat nichts mit Kümmern zu tun. Du bemühst dich
nur darum, still zu sein und diese Stille kann sich dann mehr und
mehr ausbreiten. Dadurch werden der Zweifel und das Sich-kümmern-Wollen
immer weniger. Mit der zunehmenden Stille wächst auch das Vertrauen,
dass das dein richtiger Ort ist, dass die Stille das ist,
was du bist.
Du bist zu Hause. Du bist.
Und du siehst deinen Kleinmut, der dich vorher alles Mögliche
hat anstellen lassen in der Annahme, eine Wahl zu haben, es gut
oder besser zu machen und den Schmerz vermeiden zu können.
Aber jetzt bist du frei davon. Du bist
einfach und schaust zu, was da auf dem Bildschirm deiner Wahrnehmung
vor sich geht: mit "deinem" Körper, mit den anderen
Körpern und all den anderen Lebewesen und Dingen. Du staunst
nur noch über die vielfältige Ausdrucksweise des Lebens
- des Seins
- dessen, was du bist.
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